Eine kurze Antwort

 

ist leider nicht sinnvoll möglich – wir müssen etwas ausholen. Wer sich für die Historie weniger interessiert, sollte sich lieber unser Grundsatzprogramm oder das EU-Wahlprogramm oder etwas aus unseren Stellungnahmen ansehen.

 

Ausführlicher:

 

Die meisten von uns waren früher mal in der Tierschutzpartei („TSP“). Inhaltlich haben wir im Umfeld der Tierrechte mit den ehemaligen Parteifreunden auch kaum Differenzen – da steht viel Gutes drinnen in deren Grundsatzprogramm. Und schließlich war die TSP die weltweit erste Partei, die sich dem Tier als Schwerpunkt annahm – gegründet am 13. Februar 1993. Sie ist somit weltweit „die Mutter aller Tierschutz- und Tierrechtsparteien“. Das verdient Anerkennung! Ohne Grund waren die meisten unserer Aktiven nicht jahrelang dort dabei und haben sich mit Herzblut eingebracht.

 

Das Problem mit der TSP: Es gibt keinen klaren Trend nach oben – zwar wellenförmig mal auf, mal ab – aber seit einem viertel Jahrhundert kein wirklicher Durchbruch. Das Einzige, was die TSP zuverlässig produziert, sind Ableger – beispielsweise uns.

 

Und das, obwohl sich im letzten viertel Jahrhundert viel getan hat! Inzwischen kennt man in der Gastronomie nahezu durchgängig das Wort „vegan“, jeder Supermarkt und sogar jeder Discounter hat zumindest einige Produkte verfügbar. In den Medien laufen regelmäßig Berichte über die unhaltbaren Zustände in der Massentierhaltung, über deren Auswirkungen auf die Ökologie, die weniger entwickelten Länder und den Hunger dort, und auf die Volksgesundheit nebst den dadurch verursachten Kosten.

 

Aber die TSP schaffte es (zumindest bisher) nicht, sich als politischer Arm der Tierrechtsszene zu etablieren und mit der gesellschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten – sie konnte nicht mal davon profitieren im Windschatten dieser Entwicklung. Geschweige denn, als „Eisbrecher“ der Bewegung das Fahrwasser für die unpolitischen Organisationen und Firmen zu bahnen.

 

Ziehen wir den Vergleich zu den Niederlanden: Dort wurde gegen Ende 2002, also knapp 10 Jahre nach der TSP, die Partij voor de Dieren gegründet (PvdD). Sie ist in beiden Kammern des niederländischen Parlaments, in regionalen Volksvertretungen sowie im EU-Parlament vertreten und hat derzeit ca. 16.000 Mitglieder. Rechnet man das um auf die fast fünffache deutsche Bevölkerung, so müsste ein deutsches Äquivalent – oder alle deutschen Splitterparteien mit Schwerpunkt Tierwohl zusammen – fast 80.000 Mitglieder haben. Summiert man alle diese Parteien einschließlich uns selbst auf, wird diese Marke um ca. Faktor 20 verfehlt! Die TSP allein verfehlt die Vorgabe der Niederländer um Faktor 50! Und das, obwohl sie fast ein Jahrzehnt länger existiert als die PvdD in NL.

 

Eine Partei, die dauerhaft erfolglos bleibt, erreicht jedoch eher das Gegenteil von dem, wofür sie steht: Sie ist der lebende – oder besser: der dahin vegetierende – Beweis für die etablierte Politik, dass dieses Thema an der Wahlurne offensichtlich keine Rolle spielt!

 

Würde es bei uns noch Sklaverei geben, akzeptiert von der etablierten Politik, und als Gegenbewegung hätte sich eine „Anti-Sklaverei-Partei“ gegründet, die bei Wahlen meist deutlich unter 1% bleibt – was wäre dann die Erkenntnis bei den Politstrategen der Etablierten? Dass man was tun muss gegen Sklaverei und für allgemeine Menschenrechte? Wohl kaum! Es fehlt jeder Druck, etwas zu ändern. Würde die Anti-Sklaverei-Partei wenigstens 4,9% erzielen bei den Wahlen, wäre sie zwar immer noch nicht im Deutschen Bundestag – aber die dem Thema näher stehenden etablierten Kräfte würden zumindest überlegen, wie sie dieses Wählerpotential wieder zu sich herüber ziehen könnten. Und würden damit wenigstens zum Schein und in einigen kleineren Ansätzen umschwenken in Richtung allgemeiner und unveräußerlicher Menschenrechte.

 

Da anscheinend nichts wird aus der TSP – ja sogar befürchtet werden muss, dass die erfolglose TSP ihrem höchst ehrenhaften Ziel schadet – finden wir es gut, dass andere Wege ausgelotet werden, politisch erfolgreich zu sein pro Tierwohl. Ob einer dieser neuen Ansätze, beispielsweise der unsrige, sich dann als besser = erfolgreicher = wirksamer herausstellt zur Etablierung unveräußerlicher Grundrechte für Tiere muss sich zeigen.

 

Denkbar ist natürlich auch, dass es nie etwas wird bei uns im Gegensatz zu NL, weil die Deutschen sich als weniger mitfühlend herausstellen für das Leid der Tiere. Oder dass wir uns alle, auch alle Neuen, nicht nur die alte TSP, kollektiv zu blöd anstellen – obwohl das Potential vielleicht doch da wäre. Denn die Niederländer sind ja nicht von einem anderen Stern. Es fällt schwer zu glauben, dass bei uns unmöglich sein soll, was dort geht.

 

So. Wer bis hierher durchgehalten hat, stimmt vielleicht zu, dass es sinnvoll ist, alternative Ansätze zur TSP auszutesten. Aber warum ausgerechnet als Ein-Themen-Partei? Wer wählt denn so etwas? Wo bleiben die menschlichen Interessen?

 

Wir sind nicht gegen Menschen! Wir sehen den Menschen grundsätzlich auch als Tierart an, mit den anderen Tieren eng verwandt. Wir Menschen sind die Tiergattung, die bezüglich des abstrakten Denkvermögens am höchsten entwickelt ist. Für die Rechte von Tieren einzutreten bedeutet mitnichten, gegen Rechte und Interessen der Tierart Mensch zu sein!

 

Uns ist schon bewusst, dass es viel leichter wäre in den Deutschen Bundestag und andere Parlamente zu kommen, wenn man menschlichen Zielgruppen möglichst viele und möglichst tolle Versprechungen macht. Sollte der Einzug ins Parlament tatsächlich gelingen und man würde eingeladen werden zu Koalitionsverhandlungen, muss man sich jedoch erinnern an all die vielen Versprechen. Nur durch Teilhabe an einer Regierungskoalition kann man etwas erreichen – „Opposition ist Mist“ sagte schon Franz Müntefering. Da aber bei diesen Koalitionsverhandlungen für eine Vielzahl von Zielen wenigstens überall ein klein wenig heraus gehandelt werden müsste, bliebe am Ende für die Tiere wieder fast nichts oder gar nichts übrig.

 

Um aber nichts oder fast nichts zu erreichen für die Tiere mit einem Öko-Sozial-Mischprogramm – dafür braucht es keine neuen Grünen – das beherrschen schon die alten Grünen perfekt!

 

Wenn wir unsere Energie und Lebenszeit in ein politisches Projekt investieren soll etwas herauskommen für die leidensfähigen Mitgeschöpfe, die bisher nahezu schutzlos der menschlichen Willkür und Brutalität ausgeliefert sind. Wir setzen alles auf eine Karte – alles auf ein Thema – alles auf unser Thema. Den Versuch ist es wert. Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

 

Beenden wir die menschliche Willkür den Tieren gegenüber – etablieren wir unveräußerliche Grundrechte für Tiere, angelehnt an die Menschenrechte, soweit sinnvoll übertragbar. Versuchen wir, in die Parlamente zu kommen mit diesem einen Thema, für das sich bisher niemand einsetzt. Und „verkaufen“ wir unsere Stimmen dann an die künftige Kanzlerin / den künftigen Kanzler, bei der / bei dem wir am meisten heraus handeln können für unsere Schützlinge.

 

Danke fürs Durchhalten, danke für die Aufmerksamkeit!

 

Die meisten derer, die das lesen, werden diesen Ansatz für nicht gut – oder zwar für gut, jedoch nicht für aussichtsreich halten. Aber wir brauchen zunächst ja keine absolute Mehrheit. Mit 5,01% kann man viel bewirken, wenn einer Koalition noch ein paar Mandate fehlen für die Kanzlermehrheit.

 

Lasst es uns versuchen!

Kommt zu uns!

Macht mit, macht möglichst aktiv mit – das Ziel ist es wert!


Und jetzt doch noch – für alle, denen es so arg gefehlt hat – der ökologische und der soziale Aspekt:

 

Den größten Hebel auf die Natur hat der Mensch nicht über Industrie oder Verkehr, sondern über die Landwirtschaft – denn die Landwirtschaft greift in die Natur in der Fläche ein.

 

Schaut man von oben herab auf unser Land, so beanspruchen die Felder den größten Teil der Fläche. Gefolgt von den Wäldern, einem Drittel unseres Landes – leider sind es meist Fichten-Monokulturen. Dann kommen anteilig Naturflächen einschließlich Seen, Ufer, Berge und menschliche Besiedelung, Industrie und Verkehrsflächen.

 

Natur braucht vor allem eines: Platz!

 

Die konventionelle Landwirtschaft walzt alles nieder, ertränkt den Boden in Gülle, belastet ihn und auch das Grundwasser mit Agro-Chemie. Die Artenvielfalt ist inzwischen in den Vorstädten, mitten zwischen den Häusern, größer als auf dem konventionell landwirtschaftlich genutzten Land.

 

Die massenhaft erzeugten Pflanzen werden dann aber nicht überwiegend direkt gegessen, sondern an „Nutz“tiere verfüttert, um daraus eine sehr viel kleinere Menge tierlicher Produkte zu machen.

 

Das Leid dieser „Nutz“tiere spielt keinerlei Rolle in diesem pervertierten Wirtschaftskreislauf, der nur durch falsch ausgerichtete Subventionen aufrecht erhalten wird.

 

Gleichzeitig werden vor allem eiweiß- und fetthaltige Futtermittel, meist genmanipuliert, aus weniger entwickelten Ländern importiert, was dort zu Hunger, Fehlernährung und Vernichtung von Natur führt. Von Gras und Heu allein kann der Körper der Kuh nicht so unnatürlich viel Milch produzieren.

 

Zum „Ausgleich“ werden dann Überschüsse, beispielsweise Weizen, oder Überproduktion und Abfälle aus tierlichen Quellen, wieder über Exportsubventionen in andere Märkte in weniger entwickelten Ländern gepresst, so dass deren eigene Landwirtschaft zugrunde geht und sie „angefixt“ abhängig werden von unserer Landwirtschaft.

 

Das ist – neben dem ökologischen Aspekt – auch höchst unsozial aus einer länderübergreifenden Sicht!

 

Nebenbei schafft es auch weitere Fluchtursachen, statt sie zu bekämpfen – wie immer gefordert wird.

 

Wir müssen unsere Ernährung und in Folge unsere Landwirtschaft umstellen – weg vom Tierprodukt, hin zum pflanzlichen Produkt, bevorzugt aus biologischem Anbau. Für pflanzliche Ernährung wird sehr viel weniger Anbaufläche benötigt verglichen mit dem ineffizienten Umweg der Nahrung über ein Tier. Und erst dadurch können wir uns es leisten, auf den weniger ertragreichen Bio-Anbau in größerem Umfang umzuschwenken!

Wir brauchen auch eine andere Forschung in der Pharmakologie und beim Test von Chemikalien. Neben dem Leid der "Versuchs"tiere sind auch die Ergebnisse aus solchen Test fragwürdig bis irreführend. Nicht umsonst fällt der Großteil der neu entwickelten Medikamente beim Test am Menschen in klinischen Studien (klingt besser als "Menschenversuch") durch, obwohl laut Tierversuch das Ergebnis positiv sein sollte und nur noch als letzte Überprüfung am Menschen getestet wurde.

 

Und wie viele potentielle Arzneimittel, die dem Menschen helfen könnten, wurden schon im Vorfeld ausgesondert und uns Menschen vorenthalten, weil sie das arme "Versuchs"tier umbrachten, da dessen Körper doch etwas anders reagierte? 

Und wir brauchen einen anderen Umgang mit dem Wildtier – hier bei uns, aber auch in der übrigen Welt. Das gilt für die Jagd – aber mindestens genau so für den Lebensraum. Wir müssen begreifen, dass wir nicht jeden Quadratmeter nutzbarer Fläche auch nutzbar machen dürfen. Wir müssen begreifen, dass Biotope nicht von einander isolierte Inseln sein dürfen ohne Möglichkeit des Austauschs und der Wanderung von Tieren und Pflanzen. Biotope müssen ein Netz bilden – die vom Menschen genutzten Flächen müssen darin die Inseln sein.

 

Wenn eine Spezies alles andere überwuchert – das gilt auch für die Tierart Mensch – so ist sie nur scheinbar und kurzzeitig erfolgreicher als alle anderen. Langfristig vernichtet diese Spezies nicht nur alle anderen, sondern auch sich selbst.

Kontakt

 

Bundesgeschäftsstelle der

PARTEI FÜR DIE TIERE
Marktplatz  6
86485 Biberbach

Telefon: + 49 (0) 8271 / 2941

Telefax: + 49 (0) 8271 / 8021443

kontakt@partei-fuer-die-tiere.de

Konto

Druckversion Druckversion | Sitemap
Partei für die Tiere, Marktplatz 6, 86485 Biberbach